Rechtsfragen bei Erster Hilfe

Wir geben Antworten auf die Fragen, die wir häufig von Kunden oder Seminar-Teilnehmern gestellt bekommen, und geben den rechtlichen Kontext dazu.

Muss ich in einem Notfall helfen?

Grundsätzlich ja. Bei einem Notfall muss unverzüglich eine bestmögliche, d.h. den eigenen Fähigkeiten entsprechend, Hilfe geleistet werden. Wer das nicht tut, kann sich der unterlassenen Hilfeleistung nach § 323c StGB schuldig machen. Dieser Paragraph ist auch Grundlage bei der gerichtlichen Beurteilung der nachfolgenden Fragen.

Gibt es auch Ausnahmen?

Ja, eine Ausnahme gibt es: Erste Hilfe muss nicht geleistet werden, wenn sie nicht zumutbar ist. Dies ist konkret der Fall:

  • Wenn der Helfer sich durch die Hilfeleistung selbst in eine erhebliche Gefahr bringen würde (Eigenschutz vor Fremdschutz).
  • Wenn der Helfer durch die Hilfeleistung eine andere wichtige Pflicht verletzen würde (z.B. die Aufsichtspflicht über ein Kind).

Ebenfalls erübrigt sich die Pflicht, wenn bereits ausreichend Hilfe erfolgt. Immer zumutbar ist es jedoch auch in den beiden oberen Fällen, den Notruf abzusetzen!

Was passiert, wenn ich bei der Ersten Hilfe etwas falsch mache?

„Hinterher geht’s dem noch schlimmer“ – Das ist ab sofort kein Argument mehr, denn niemand muss Angst haben: Die wenigsten Ersthelfer verfügen über eine medizinische Ausbildung. Das weiß auch der Gesetzgeber, und daher entstehen bei eventuellen Fehlern in der Ersten Hilfe grundsätzlich keine Konsequenzen für den Helfer (Einzige Ausnahmen wären Vorsatz oder nachweisbar grobe Fahrlässigkeit). Es gilt immer: Wer seinen persönlichen Kenntnissen, seinen Fähigkeiten und der Situation entsprechend handelt, kann dafür später nicht belangt werden.

Und wie ist es bei Sachbeschädigung?

Auch hier muss sich der Helfer keine Sorgen machen. Das Stichwort lautet „Rechtfertigender Notstand“: Wenn im Zuge der Ersten Hilfe z.B. eine Scheibe eingeschlagen oder mit der Rettungsschere Kleidung aufgeschnitten werden muss, überwiegt in diesem Moment das Interesse an der Gesundheit des Verletzten das Interesse an unbeschädigten Dingen. Rettung und Erste Hilfe haben also Vorrang, und der Helfer kann im Nachhinein nicht zur Verantwortung gezogen werden.