AED beim Sport: Was die Marathon-Notfälle 2026 über Reanimation lehren

von 27. April 2026Defibrillator AED8 Min. Lesezeit
Tausende Läufer beim Start des 49. BMW Berlin-Marathon 2023 unter dem blauen Startbogen mit Blick auf die Siegessäule im Hintergrund.

Im Frühjahr 2026 brachten zwei Schlagzeilen ein Thema zurück in die Öffentlichkeit, das viele Sportvereine längst auf der Agenda haben sollten: den plötzlichen Herzstillstand bei Sportveranstaltungen. In Bonn und Hamburg mussten Marathon-Läufer reanimiert werden — und beide überlebten. Das ist kein Zufall. Es ist das Ergebnis einer Kette aus schnellem Eingreifen, ausgebildeten Helfern und vorhandener Technik. Genau diese Kette entscheidet, ob ein AED am Sportplatz ein nettes Extra oder die wichtigste Investition ist.

Bonn und Hamburg: Zwei Marathon-Reanimationen im Frühjahr 2026

Beim Bonn-Marathon mussten zwei Männer wiederbelebt werden. Beide Reanimationen wurden zunächst vom Sanitätsdienst des Veranstalters eingeleitet und anschließend vom städtischen Rettungsdienst übernommen — eine eingeübte Übergabe, die bei Großveranstaltungen über Sekunden entscheidet. Wenige Wochen später dann der Hamburg-Marathon: Ein 35-jähriger Läufer brach kurz nach dem Zieleinlauf zusammen, der Zielbereich wurde gesperrt, die Reanimation lief erfolgreich. Sein Kreislauf konnte stabilisiert werden.

Beide Fälle haben drei Dinge gemeinsam: Der Notfall wurde sofort bemerkt, die ersten Maßnahmen kamen innerhalb von Sekunden und es waren Profis vor Ort, die routiniert handeln konnten. Genau dieses Setting — Augenzeugen, geschultes Personal, verfügbare Ausrüstung — ist außerhalb großer Veranstaltungen längst nicht selbstverständlich.

Wie häufig ist plötzlicher Herztod beim Sport wirklich?

Die Zahlen sind keine Schreckensmeldungen, aber sie sind eindeutig. In Deutschland sterben nach Angaben der Deutschen Herzstiftung jedes Jahr rund 900 Sportlerinnen und Sportler am plötzlichen Herztod. Das deutsche Sudden Cardiac Death-Register dokumentierte über viereinhalb Jahre 265 Fälle — 96 Prozent davon Männer, fast ausschließlich ambitionierte Freizeitathleten, nicht Profis.

International liegt die Inzidenz laut Übersichtsarbeiten zwischen 0,7 und 3 Todesfällen pro 100.000 Athleten und Jahr. Bei jungen Sportlern stehen meist genetische oder angeborene Herzerkrankungen im Hintergrund, häufigste Einzelursache ist die hypertrophe Kardiomyopathie. Bei Sportlern über 35 sind dagegen über 80 Prozent der Fälle auf koronare Herzerkrankungen zurückzuführen — das beschreiben sowohl die 2020 ESC-Leitlinien zu Sportkardiologie als auch aktuelle Übersichten im German Journal of Sports Medicine.

Speziell beim Marathon zeigt eine vielzitierte Auswertung: Auf rund 1,2 Millionen Marathon-Teilnehmer kamen 17 plötzliche Herztode — neun davon erst auf dem letzten Kilometer, acht davon Männer. Die Belastung in der Schlussphase ist also der kritischste Moment.

Warum die Überlebensraten bei Marathons heute höher sind als früher

Die wichtigste Botschaft kommt aus den USA: Das RACER-Register hat zwischen 2010 und 2023 die Notfälle bei rund 29 Millionen Marathon- und Halbmarathon-Teilnehmern systematisch erfasst. Das Ergebnis ist eine doppelte Nachricht.

Die schlechte: Die Häufigkeit von plötzlichem Herzstillstand bei Marathons hat sich nicht verändert — rund 0,6 Fälle pro 100.000 Teilnehmer. Wer läuft, läuft auch heute mit dem gleichen Restrisiko wie vor 15 Jahren.

Die gute: Die Sterblichkeit hat sich praktisch halbiert. In der älteren Vergleichsperiode endeten 71 Prozent der Fälle tödlich, in der aktuellen nur noch 34 Prozent. Das heißt: Etwa zwei von drei Läufern, die heute kollabieren, überleben den Notfall. Hauptgrund laut Studie: kürzere Zeit bis zur Reanimation und ein hoher Anteil schockbarer Rhythmen, die ein AED unmittelbar versorgen kann. Eine japanische Marathon-Auswertung kam mit 98,6 Prozent Überlebensrate auf einen ähnlichen Befund — bei sehr enger Sanitätsabdeckung.

Was diese Zahlen für die Praxis bedeuten, hat eine Studie an US-amerikanischen High Schools gezeigt: Wo Schulen einen Notfallplan plus AED hatten, lag die Überlebensrate bei kardialen Notfällen im Sport bei 64 Prozent. 97 Prozent der Notfälle wurden direkt beobachtet, 94 Prozent erhielten sofort Laien-Reanimation, 83 Prozent bekamen einen AED-Schock. Übersetzt heißt das: Bystander-CPR plus früher AED-Einsatz innerhalb von drei bis fünf Minuten kann die Überlebenswahrscheinlichkeit auf 41 bis 74 Prozent heben — ein Vielfaches dessen, was ohne diese Kette möglich wäre.

Was ein AED am Sportplatz leisten muss

Ein Defibrillator für den Sportverein ist nicht derselbe wie einer im Bürofoyer. Er muss mit den Realitäten draußen umgehen können:

  • Robust und outdoor-tauglich — staub- und spritzwassergeschützt, hitze- und kältefest. Bei Außenanbringung gehört ein beheizbarer Wandkasten dazu.
  • Sehr klare Sprachführung — Helfer am Sportplatz sind oft Eltern, Trainerinnen oder Vereinsmitglieder, nicht medizinisches Personal. Das Gerät muss sie durch die Reanimation führen, nicht überfordern.
  • Schnell einsatzbereit — Selbsttests, lange Akku- und Elektroden-Standzeiten, übersichtliche Wartung. Wer das Gerät einmal im Quartal prüft, will keine bösen Überraschungen.
  • Vollautomatisch oder halbautomatisch? Beides ist zugelassen. Vollautomaten geben den Schock selbst ab, sobald sie ihn als nötig erkannt haben — bei ungeschulten Helfern eine zusätzliche Sicherheit.
    Diese Anforderungen lassen sich auch im Vereinsalltag prüfen. Wer einen Defibrillator gezielt für den Sportverein sucht, findet einen praxisnahen Überblick auf der Seite Defibrillator für Sportvereine kaufen.

Fazit: Sekunden zählen — Vorbereitung auch

Bonn und Hamburg sind 2026 zwei Beispiele dafür, dass plötzlicher Herzstillstand beim Sport heute kein Todesurteil mehr sein muss. Die wissenschaftliche Datenlage stützt das eindeutig: Wo ein AED erreichbar ist und Helfer wissen, was zu tun ist, überlebt die Mehrheit. Vereine, Veranstalter und Kommunen, die diese Kette schließen, retten Leben — sehr konkret. Wenn Sie überlegen, Ihren Verein herzsicher aufzustellen, beraten wir Sie gern: zum passenden Gerät, zur Aufbewahrung und zur Schulung Ihres Teams.

Quellen

Quellen

  • General-Anzeiger Bonn: „Bonn: Zwei Männer während des Marathons reanimiert“
    https://ga.de/bonn/stadt-bonn/bonn-zwei-meaenner-waehrend-des-marathons-reanimiert-v1_aid-147088211

  • MOPO: „Drama beim Hamburg-Marathon: Junge Läuferin bricht zusammen, Zieleinlauf gesperrt“
    https://www.mopo.de/sport/sportmix/drama-beim-hamburg-marathon-junge-laeuferin-bricht-zusammen-zieleinlauf-gesperrt/

  • RACER Registry: „Sudden cardiac arrest during marathons among young, middle-aged, and senior runners“ (Resuscitation 2025)
    https://www.resuscitationjournal.com/article/S0300-9572(24)00309-5/fulltext

  • tctmd.com: „RACER: No Change in Cardiac Arrests During Marathons, but Survival Is Up“ (Zusammenfassung der RACER-Daten, 2025)
    https://www.tctmd.com/news/racer-no-change-cardiac-arrests-during-marathons-survival

  • New England Journal of Medicine: „Public-Access Defibrillation and Survival after Out-of-Hospital Cardiac Arrest“ (NEJM 2004)
    https://www.nejm.org/doi/full/10.1056/NEJMoa040566

  • Drezner et al.: „Effectiveness of Emergency Response Planning for Sudden Cardiac Arrest in United States High Schools With Automated External Defibrillators“ (Circulation)
    https://www.ahajournals.org/doi/10.1161/circulationaha.109.855890

  • European Society of Cardiology: „2020 ESC Guidelines on sports cardiology and exercise in patients with cardiovascular disease“
    https://pubmed.ncbi.nlm.nih.gov/32860412/

  • German Journal of Sports Medicine: „Sudden Cardiac Death in Sports“ (2023)
    https://www.germanjournalsportsmedicine.com/archive/archive-2023/issue-1/sudden-cardiac-death-in-sports/

  • Deutsche Herzstiftung: „Alles rund um den plötzlichen Herztod beim Sport“
    https://herzstiftung.de/infos-zu-herzerkrankungen/koronare-herzkrankheit/ploetzlicher-herztod/sport

  • Deutsches Ärzteblatt: „Plötzlicher Herztod beim Sport betrifft vor allem ambitionierte Freizeitathleten“ (SCD-Register Deutschland)
    https://www.aerzteblatt.de/news/ploetzlicher-herztod-beim-sport-betrifft-vor-allem-ambitionierte-freizeitathleten-ca64af33-7db8-4b4a-bd12-1cd892207f20

  • NZZ: „Plötzlicher Herztod beim Marathon – wie groß ist die Gefahr wirklich?“
    https://www.nzz.ch/sport/freizeitsport/ploetzlicher-herztod-beim-marathon-wie-gross-ist-die-gefahr-wirklich-ld.1928738

  • Deutsches Zentrum für Herz-Kreislauf-Forschung (DZHK): Plötzlicher Herztod – Überblick und Zahlen (ca. 65.000 Todesfälle/Jahr in Deutschland)
    https://dzhk.de/erkrankungen/ueberblick/ploetzlicher-herztod

  • Deutsche Herzstiftung: „Alle Fakten zum plötzlichen Herztod“
    https://herzstiftung.de/infos-zu-herzerkrankungen/koronare-herzkrankheit/ploetzlicher-herztod/fakten-ploetzlicher-herztod

  • Bundeszentrale für gesundheitliche Aufklärung / Bundesgesundheitsministerium: „Informationen zur Laienreanimation in Deutschland 2023“ (Infoblatt, Laienreanimationsquote, >10.000 potenziell vermeidbare Todesfälle/Jahr)
    https://www.wiederbelebung.de/fileadmin/pdf/BZgA-Wiederbelebung-Infoblatt_A4_2023.pdf

  • Deutsches Reanimationsregister (DGAI): Öffentlicher Jahresbericht „Außerklinische Reanimation im Notarzt- und Rettungsdienst“ (aktuelle Daten zu Inzidenz und Laienreanimationsquote in Deutschland)
    https://www.reanimationsregister.de/downloads/oeffentliche-jahresberichte/oeffentliche-jahresberichte-ausserklinische-reanimation

  • European Union / JACC: „Incidence of Sudden Cardiac Death in the European Union“ (J Am Coll Cardiol 2022;79:1818–1827) – Schätzung ~250.000 SCD-Fälle/Jahr in der EU
    https://pubmed.ncbi.nlm.nih.gov/35512862/

  • ERC / KIDS SAVE LIVES – Positionspapiere und Initiative zum Reanimationsunterricht an Schulen (ab 12 Jahren, mind. 2 Std. pro Jahr):
    Überblick: https://www.erc.edu/for-everyone/initiatives/kids-save-lives-ksl/
    Fachartikel: https://www.ahajournals.org/doi/10.1161/JAHA.116.003081 („Kids Save Lives: Educating Schoolchildren in Cardiopulmonary Resuscitation“)

  • Deutsche Gesellschaft für Kardiologie (DGK): „Plötzlicher Herzstillstand: 65.000 Menschen pro Jahr in Deutschland betroffen“
    https://dgk.org/pressemitteilungen/2021-ht-pm/2021-ht-aktuelle-pm/2021-ht-aktuelle-pm-tag2/ploetzlicher-herzstillstand-65-000-menschen-pro-jahr-in-deutschland-betroffen