Automatisierter externer Defibrillator: Einfach erklärt

von 30. Januar 2026Defibrillator AED9 Min. Lesezeit

Was ist ein automatisierter externer Defibrillator eigentlich?

Ein automatisierter externer Defibrillator (kurz AED) ist ein medizinisches Gerät, das speziell für die Anwendung durch Laien entwickelt wurde, um bei einem plötzlichen Herzstillstand Leben zu retten. Er analysiert selbstständig den Herzrhythmus eines Patienten und gibt bei Bedarf einen elektrischen Schock ab, um das lebensgefährliche Kammerflimmern zu beenden. Das Herz soll so wieder in einen normalen Sinusrhythmus zurückfinden.

In unserer täglichen Arbeit bei ResQ-Care erleben wir oft, dass der Begriff „Defibrillator“ Respekt oder sogar Angst einflößt. Viele Menschen denken sofort an komplexe Krankenhausszenen. Doch ein automatisierter externer Defibrillator ist genau das Gegenteil: Er ist ein intelligenter Assistent, der Sie als Ersthelfer an die Hand nimmt.

Der Begriff setzt sich aus drei wesentlichen Komponenten zusammen:

  • Automatisierter: Das Gerät übernimmt die Diagnose. Sie müssen kein Arzt sein und keine EKG-Kurven lesen können. Der Computer im Inneren entscheidet, ob ein Schock notwendig ist.
  • Externer: Die Elektroden werden von außen auf den Brustkorb geklebt. Es ist kein operativer Eingriff nötig (im Gegensatz zum implantierten ICD).
  • Defibrillator: Das Gerät beendet das Flimmern der Herzmuskelzellen durch einen Stromstoß (Defibrillation).

Unsere Erfahrung zeigt: Sobald Anwender verstehen, dass das Gerät die Verantwortung für die medizinische Entscheidung übernimmt, sinkt die Hemmschwelle zur Nutzung drastisch.

Wie funktioniert die Technologie im Detail?

Ein automatisierter externer Defibrillator ist im Grunde ein hochleistungsfähiger Computer mit einem Akku und einem Kondensator. Sobald Sie die Elektroden auf den blutleeren Oberkörper des Patienten geklebt haben, beginnt das Gerät mit der Arbeit. Es misst die elektrische Aktivität des Herzens.

Die Analysephase

Das Gerät sucht nach spezifischen Rhythmusstörungen, insbesondere nach Kammerflimmern oder einer pulslosen ventrikulären Tachykardie. Das sind Zustände, in denen das Herz zwar noch elektrische Impulse feuert, aber nicht mehr mechanisch pumpt. Der Blutkreislauf steht still.

Ein häufiges Missverständnis, das wir bei ResQ-Care oft aufklären: Ein AED startet kein Herz, das eine „Nulllinie“ (Asystolie) zeigt. Er „resetet“ ein chaotisch schlagendes Herz. Wenn das Gerät keinen schockbaren Rhythmus erkennt, wird es niemals einen Schock freigeben. Sie können also versehentlich niemanden schocken, der nur schläft oder ohnmächtig ist.

Der Schock

Wird ein schockbarer Rhythmus erkannt, lädt sich der Kondensator auf. Die Energie wird in Joule gemessen. Moderne Geräte arbeiten biphasisch, das heißt, der Strom fließt in zwei Richtungen zwischen den Elektroden, was effektiver und schonender für den Herzmuskel ist.

Unterschiede: Vollautomatisch vs. Halbautomatisch

Wenn Sie sich mit dem Thema automatisierter externer Defibrillator beschäftigen, werden Sie auf zwei Varianten stoßen. Beide analysieren vollautomatisch, unterscheiden sich aber in der Schockabgabe.

  • Halbautomatischer AED: Das Gerät fordert Sie per Sprachansage auf, eine blinkende Schock-Taste zu drücken, wenn ein Schock notwendig ist. Sie haben als Helfer die letzte Kontrolle, den Stromstoß auszulösen.
  • Vollautomatischer AED: Das Gerät kündigt den Schock an (z.B. „Schock wird in 3, 2, 1 abgegeben“) und löst ihn selbstständig aus. Sie müssen keine Taste drücken.

Bei ResQ-Care empfehlen wir oft Geräte wie die iPAD CU-SP1 Serie, die für ihre exzellente Benutzerführung bekannt ist. Ob Voll- oder Halbautomat die bessere Wahl ist, hängt oft von der Umgebung und dem geschulten Personal ab. Für absolute Laien kann der Vollautomat Stress reduzieren, da die Entscheidung zum Tastendruck entfällt.

Der Einsatz in der Praxis: Was Sie tun müssen

Im Notfall zählt jede Sekunde. Ein automatisierter externer Defibrillator ist so konzipiert, dass er sofort nach dem Einschalten (oder Öffnen des Deckels) mit Ihnen spricht. Die Bedienung folgt einem simplen Schema:

  1. Einschalten: Drücken Sie die grüne Taste oder öffnen Sie den Deckel.
  2. Anweisungen folgen: Eine klare Stimme sagt Ihnen genau, was zu tun ist (z.B. „Notdienst rufen“, „Oberkörper freimachen“).
  3. Elektroden kleben: Auf den Elektrodenpackungen sind Bilder, die genau zeigen, wo diese auf der Brust platziert werden müssen (rechts unter dem Schlüsselbein, links seitlich unter der Brust).
  4. Analyse abwarten: Das Gerät sagt „Patienten nicht berühren, Herzrhythmus wird analysiert“.
  5. Schock oder CPR: Entweder fordert das Gerät zum Schock auf oder es weist Sie an, die Herzdruckmassage fortzusetzen.

Die 3-Minuten-Regel und der Faktor Zeit

Warum ist die schnelle Verfügbarkeit so wichtig? Mit jeder Minute, die ohne Defibrillation bei Kammerflimmern verstreicht, sinkt die Überlebenschance des Betroffenen um ca. 10 Prozent. Nach spätestens 3 bis 5 Minuten treten oft irreversible Gehirnschäden auf. Das Ziel ist es, den ersten Schock innerhalb von 3 Minuten nach dem Kollaps abzugeben. Deshalb setzen wir uns bei ResQ-Care auch so stark für Lösungen wie den DefibSafe3 ein, um Geräte rund um die Uhr öffentlich zugänglich zu machen.

Häufige Ängste und Fehlerquellen

Aus unserer Agentur-Erfahrung und vielen Kundengesprächen wissen wir: Die größte Angst ist, etwas falsch zu machen. Doch bei einem automatisierter externer Defibrillator ist das fast unmöglich.

Was darf man mit einem Defibrillator nicht machen?

Es gibt nur wenige Situationen, in denen Sie vorsichtig sein müssen, wobei moderne Geräte viele Fehlerquellen ausschließen:

  • Nasse Umgebung: Der Patient sollte nicht in einer Pfütze liegen. Ziehen Sie ihn ins Trockene und trocknen Sie den Brustkorb ab, damit die Elektroden haften und der Strom durch das Herz und nicht über die nasse Haut fließt.
  • Explosive Umgebung: In Bereichen mit Explosionsgefahr (z.B. direkt neben auslaufendem Benzin) sollte nicht defibrilliert werden.
  • Leitfähige Untergründe: Vermeiden Sie direkten Kontakt zu Metalluntergründen, wenn möglich, oder stellen Sie sicher, dass niemand den Patienten berührt während des Schocks.

Wann darf ein automatisierter externer Defibrillator nicht angewendet werden? Eigentlich nur dann, wenn der Patient bei Bewusstsein ist und normal atmet. Aber selbst wenn Sie in der Panik die Elektroden bei einem wachen Menschen aufkleben würden: Das Gerät würde die normale Herzaktivität erkennen und den Schock verweigern.

Kosten und Anschaffung

Ein hochwertiger automatisierter externer Defibrillator kostet in der Regel zwischen 1.200 € und 2.500 €. Der Preis variiert je nach Ausstattung (z.B. EKG-Display, Kindermodus, IP-Schutzklasse gegen Wasser und Staub).

Wir raten unseren Kunden immer: Schauen Sie nicht nur auf den Anschaffungspreis, sondern auf die Folgekosten. Wie lange halten die Batterien und Elektroden? Wie teuer ist der Austausch? Ein vermeintliches Schnäppchen kann über 10 Jahre gerechnet teurer werden, wenn die Verbrauchsmaterialien alle zwei Jahre gewechselt werden müssen statt alle fünf.

Zudem ist die Frage „Wer finanziert einen Defibrillator?“ relevant. Krankenkassen zahlen AEDs für öffentliche Gebäude oder Firmen in der Regel nicht. Es ist eine Investition des Unternehmens oder Vereins in die Sicherheit. In manchen Fällen gibt es Förderprogramme von Stiftungen oder regionale Sponsoring-Aktionen für Vereine.

Fazit: Technik, die Sicherheit gibt

Ein automatisierter externer Defibrillator ist ein Meisterwerk der Medizintechnik, reduziert auf das Wesentliche: Leben retten, ohne Vorkenntnisse. Er nimmt Ihnen die Last der Entscheidung ab und führt Sie sicher durch die Stresssituation einer Reanimation.

Bei ResQ-Care sind wir davon überzeugt, dass die flächendeckende Verbreitung dieser Geräte der Schlüssel ist, um dem plötzlichen Herztod den Schrecken zu nehmen. Egal ob Sie sich für einen Vollautomaten oder Halbautomaten entscheiden – wichtig ist, dass Sie sich trauen, ihn im Ernstfall zu benutzen. Denn der einzige Fehler, den Sie machen können, ist, nichts zu tun.

Häufig gestellte Fragen (FAQ)

Wer darf einen automatisierten externen Defibrillator (AED) benutzen?

Jeder darf und soll einen AED benutzen. Die Geräte sind rechtlich und technisch so konzipiert, dass sie von medizinischen Laien bedient werden können (Rechtfertigender Notstand). Sie benötigen keinen „Schein“ oder eine medizinische Ausbildung, um im Notfall Leben zu retten.

Was ist der Unterschied zwischen AED und einem klinischen Defibrillator?

Ein klinischer Defibrillator wird von Ärzten und Sanitätern manuell bedient. Der Arzt entscheidet anhand des EKG-Bildes selbst über die Schockabgabe und die Energiemenge. Ein automatisierter externer Defibrillator übernimmt diese Analyse und Entscheidung komplett selbstständig, um Laienfehler auszuschließen.

Kann ich versehentlich einen Schock abgeben, wenn es nicht nötig ist?

Nein, das ist technisch ausgeschlossen. Der AED misst die Herzströme präzise. Wenn er einen normalen Herzschlag oder eine Nulllinie (Asystolie) erkennt, wird der Stromkreis intern nicht freigeschaltet. Selbst wenn Sie die Schock-Taste drücken würden, passiert nichts.

Muss ich bei Kindern einen anderen Defibrillator nutzen?

Nein, aber das Gerät muss auf Kinder eingestellt werden. Viele moderne Geräte wie die iPAD SP-Serie haben einen einfachen Schalter, um in den Kindermodus zu wechseln. Dabei wird die Energie des Schocks reduziert. Ältere Modelle benötigen oft spezielle Kinderelektroden.

Wird ein Defibrillator von der Krankenkasse bezahlt?

Ein öffentlicher oder betrieblicher automatisierter externer Defibrillator wird nicht von der Krankenkasse bezahlt. Die Kassen übernehmen Kosten nur für implantierbare Defibrillatoren (ICD) oder in seltenen Fällen für tragbare Defibrillator-Westen (LifeVest) bei spezifischen medizinischen Indikationen für einen einzelnen Patienten.